Folge 2: Rudolf Pleil - Im Niemandsland
Shownotes
Ein abgefangener Brief aus dem Zuchthaus, eine handgezeichnete Skizze und ein vergessener Brunnen am Bahnübergang bei Vienenburg – so beginnt das Kapitel, das das wahre Ausmaß von Rudolf Pleils Mordserie offenbart. Denn der Kaufmann Hermann Bennen war nicht sein einziges Opfer. In dieser Folge sind Kerstin und Tobias an der ehemaligen Zonengrenze zwischen Vienenburg und Abbenrode. Dort, wo ein hartnäckiger Wachtmeister jahrelang auf sein Bauchgefühl vertraute – und Recht behalten sollte. Wir erzählen die Geschichten von zwei Frauen, die im Dezember 1946 nur eines wollten – ihre Kinder versorgen. Und wir analysieren Pleils Modus Operandi: Wie wählte er seine Opfer aus? Wie näherte er sich ihnen? Und was trieb ihn wirklich an?
⚠️ Triggerwarnungen
- Mord und detaillierte Gewaltdarstellung
- Gewalt mit Waffen
- Sexuelle Gewalt
- Gewalt gegen Frauen
- Frauenfeindlichkeit / Misogynie
- Alkoholmissbrauch
- Krieg und Nachkriegszeit
- Hunger und Verelendung
- Flucht und Vertreibung
- Tod und Sterben
- Kinder als mittelbar Betroffene
Quellenverzeichnis [1] Barnstorf, Fritz: „Der Fall Pleil". In: Der Spiegel, Nr. 45/1950, erschienen am 07.11.1950. [2] Lautenbach, Birgit & Ebend, Johann: Der Totmacher. Die Geschichte des Mörders Rudolf Pleil. In: Historische Serienmörder Band IV. Verlag Kirchschlager, 2017. [3] Pfeiffer, Hans: Der Zwang zur Serie. Serienmörder und ihre Motive. area Verlag, 2007. [4] Sellin, Fred: Nur Heringe haben eine Seele: Geständnis eines Serienmörders – Der Fall Pleil. Droemer Verlag, November 2020. [5] stern Crime, Nr. 56, September 2024: „Der nette Begleiter". [6] Wikipedia: Rudolf Pleil. [7] ARD: Die großen Kriminalfälle – „Der Totmacher" Rudolf Pleil. [8] Zeitzeugen-Portal: Helga Erasmi – „Dem ‚Totmacher' entkommen". [9] Terra X History: Überleben – Dresden 1946. Wie war der Alltag im Nachkriegsdeutschland? [10] NDR Doku: Hungerwinter. [11] ARD Doku: Der Hungerwinter – Überleben im zerbombten Deutschland.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hey, willkommen beim Mord vor Ort!
00:00:02: Wir erzählen die echte Geschichte rund um den Serienmörder Rudolf Pleil.
00:00:07: Dazu reisen wir an die Orte des Geschehens und bringen die Atmosphäre zu dir nach Hause.
00:00:12: Dies ist Folge zwei.
00:00:14: Wenn du die erste Folge noch nicht gehört hast starte am besten dort.
00:00:18: Alle Triggerwarnungen findest Du in dem Shownote.
00:00:21: Und jetzt geht es los mit der Folge Auf den Spuren eines Mörders Quer durch die Wälder im Herz Direkt vor deiner Haustür.
00:00:57: Es ist der dritte August, nineteenhundertachtundvierzig kurz nach acht Uhr morgens als sich am Bahnübergang zwischen Fiendburg und Abenrode zwei kleinen Harzorten die unmittelbar an der Zonengrenze liegen eine kleine Gruppe Polizisten versammelt.
00:01:13: neben den Schienen liegt ein alter gemauert Brunnen kaum neunzig Zentimeter im Durchmesser etwa sieben Meter tief.
00:01:21: Jahrzehnte lang hat ihn vermutlich niemand beachtet.
00:01:25: Doch an diesem Morgen richtet sich alle Aufmerksamkeit auf dieses dunkle Loch im Boden.
00:01:31: Der Grund dafür ist ein Brief von Rudolf Pleil, der zwei Monate zuvor abgefangen wurde Ein Mitgefangener sollte ihn aus dem Zuchthaus schmuggeln, adressiert einen Bürgermeister von Fienenburg.
00:01:44: Darin bewirbt sich Pleil mit den folgenden Worten als Henker Ich habe mich schon an den hiesigen Chef gewandt, dass er mir die Todeskandidaten zum Hängen überlässt.
00:01:55: Nun ist die Sache die!
00:01:57: Die glauben mir hier nicht, dass ich ein Mann bin der gut und schnell tot machen kann.
00:02:02: Sie müssen mir eben mal den Gefallen tun und hingehen und mir eine Bescheinigung schicken worauf steht das dort eine tote Alte liegt?
00:02:09: Sie müssen aber ein bisschen schnell machen und mir Bescheid geben damit ich die Erlaubnis kriege und bald mit dem Aufhängen anfangen
00:02:16: kann.".
00:02:17: Ich schicke ihn eine kleine Zeichnung, damit sie die Alte auch finden.
00:02:21: Im Gefängnis hatte Pleyl gehört das es dem Beruf des Todmachers gibt.
00:02:26: so nannte man damals umgangssprachlich den Schafrichter also den Mann der die Todesstrafe vollstreckt.
00:02:32: er in Pleyls Kopf klingt das nach analogischen Karriere für sich.
00:02:37: Er beweist dass er töten und damit der Justiz als Todmacher nutzen kann und wird dafür belohnt mit größeren Essensportionen.
00:02:46: Um seine Eignung für die Arbeit zu beweisen, fügt Pleil dem Brief eines Skizze bei und schreibt... Auf der Strecke von Fienenburg nach Abenrode steht ein Eisenbahnhäuschen.
00:02:57: Da habe ich die Alte mit einem großen Schraubenschlüssel auf den Kopf gekitzelt und
00:03:02: umgelegt.".
00:03:03: In der Skize markiert er genau jenen Brunnen an dem sich am Morgen des dritten August, Unter ihnen befindet sich auch der junge Wachtmeister Reinhold Kalbowski.
00:03:17: Für ihn ist dieser Moment die Bestätigung einer düsteren Vorahnung, die in die letzten zwei Jahre immer wieder zu genau diesen Brunnen hingetrieben hat.
00:03:26: Kalboski ist es gewohnt, dass kaum ein Dienst vergeht ohne das ausgeraubte Frauen und Mädchen auf der Wache Hilfe- und Schutz suchen.
00:03:34: Sie kommen nachts aus dem Grenzgebiet und haben oft nur das Nötigste am Körper.
00:03:39: Sie sind auf Strümpfen oder Barfuß durch die Kälte gelaufen.
00:03:43: Kalbowski ist es auch gewohnt, dass Menschen zwischen den Besatzungszonen verschwinden.
00:03:49: Weil sein Vorgesetzter ihm freie Hand lässt patrouilliert er regelmäßig auf den Fienburger Straßen bis zur innerdeutschen Grenze.
00:03:57: Das es ihn immer wieder an den Brunnen am Bahnwertherhäuschen zieht kann er sich nicht recht erklären.
00:04:03: Er glaubt tief unten im Wasserspiegel Frauenhaare entdeckt zu haben und sammelt Steine im Gleisbett, die ihr einen nach dem anderen in den Brunnen-Schacht wirft.
00:04:13: Wäre dort unten Wasser, müssten die Steine ein platschendes Geräusch verursachen – aber es gibt nur einen dumpfen Aufschlag bevor die Steinen im Moder
00:04:23: versinken.".
00:04:24: Fast als ob etwas ihren Aufprall dämpft….
00:04:27: Aber seine Kollegen glauben Kalkowski nicht!
00:04:30: Für sie sind es keine Haare sondern Algen ….
00:04:33: Sie sind entschlossen, den Brunn zuzuschütten.
00:04:36: Nur Kalbowski's Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass dieser Plan vorerst fein gelassen wird.
00:04:42: Zwei Jahre lang hat der Wachtmeister also auf diesen Moment gewartet und so beginnt die Polizei an diesem August morgen damit den Brunnen auszuräumen.
00:04:52: Sie schieben den Brunnendeckel zur Seite und stoßen neben allerlei Bauschutt-und Unrat der letzten zwei Jahre tatsächlich auf menschliche Überreste.
00:05:02: Zuerst taucht ein weiblicher Unterkörper in einer dunklen Trainingshose auf.
00:05:07: Dann stoßen die Männer auf einen zweiten Körper, eingehüllt in einem dunkelgrün Mantel.
00:05:12: Auch bei dieser Leiche handelt es sich um eine Frau.
00:05:16: Im Brunnen finden die Ermittler außerdem schwarze Darmschuhe, ein einzelne Handschuh und die Reste einer Bibel.
00:05:23: Und sie können zwei Schädel bergen – beide Schädeln weisen Brüche und Zertrümmerungen auf.
00:05:29: Aus der ersten Begutachtung steht für die Beamten fest Die Frauen müssen durch massive Schläge auf den Kopf getötet worden sein.
00:05:37: Wer die beiden Toten sind, weist zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
00:05:41: Eine eindeutige Identifizierung ist vor Ort nicht möglich.
00:05:45: Deshalb werden die Überreste an das Pathologische Institut nach Braunschweig überstellt.
00:05:50: Der Brunnen ist nun leer geräumt und Rudolf Pleil hat nicht
00:05:54: gelogen.".
00:06:04: Kein Zug in Sicht aber leider auch kein Bahnwetterhäuschen und erst recht keinen Brunnan.
00:06:10: Wir sind Pleilskizze gefolgt und sehr sicher, dass wir hier richtig sind.
00:06:15: Ja!
00:06:15: Wir haben Pleilsskizze nämlich mit Google Maps übereinandergelegt.
00:06:19: uns hat zwar ein kleines bisschen gebraucht aber ich würde sagen wir haben es raus gekriegt.
00:06:24: alles andere ja wäre aber natürlich auch nicht unser Anspruch gewesen.
00:06:27: Und ihr könnt euch nicht vorstellen was das für crazy Gefühle sind jetzt hier zu stehen wenn man so tief eben in eine Geschichte eintaucht Und dann plötzlich an den Orten ist und die Szenen im Kopfablauf, wo man sieht das muss hier gestanden haben.
00:06:42: Dann muss der von dort gekommen sein.
00:06:45: Das obwohl heute gar nichts mehr so ist wie früher.
00:06:50: Du hast es ja schon gesagt also es gibt kein Brunnen mehr nur noch ein paar Sicherungsschächte.
00:06:56: und dort wo der Brunn gewesen sein müsste.
00:06:59: Dort ist jetzt ein Ja Ein Feld vom Bauern die Straße runter und so ein Bahndetterhäuschen, das steht hier auch nicht mehr.
00:07:08: Dafür ein kleiner Technikraum wie man ihn eben von Bahnübergängen her kennt.
00:07:13: Das einzige was immer noch hier ist, da sind die Schienen!
00:07:17: Es ist auf jeden Fall etwas abseits gelegen.
00:07:20: ich würde schätzen fünf bis zehn Minuten zu Fuß bis zum nächsten Haus in Findenburg.
00:07:24: also hier ist nichts los.
00:07:26: es gibt nur Schiene Straße nicht mal einen Fuß weg.
00:07:29: Und wie es hier heute genau aussieht, das könnt ihr euch übrigens auf unserem TikTok oder Instagram-Kanal anschauen.
00:07:36: Mord vor Ort Unterstrich Podcast und ja lasst uns doch gerne auch eine Nachricht da!
00:07:41: Wir sehen hier auch komisch aus wie wir am Bahnübergang im tiefsten Dorf jetzt rumlaufen Fotos und Videos aufnehmen und ein paar Sätze ins Mikrosagen.
00:07:49: Wir kommen auf jeden Fall an Orte die man sonst wahrscheinlich nie besucht hätte aber kurzer Themen sprungen.
00:07:55: lass uns doch mal darüber sprechen was bei Pleil im Gefängnis los war.
00:07:59: Du meinst seine Bewerbung?
00:08:01: Das muss man sich mal vorstellen.
00:08:03: Also er sitzt für einen Mord im Gefängnis und dann hört er vom Beruf des Todmachers, also Schafrichter oder
00:08:11: Henker
00:08:12: oder so genau.
00:08:13: Und dann denkt Plyl sich so, das ist genau mein Ding!
00:08:17: Das kann ich.
00:08:18: Und um meine Qualifikation zu beweisen, schreibe ich doch mal direkt an den Bürgermeister und gestiehe zwei weitere Morde.
00:08:26: Dafür kriege ich vielleicht dann bessere Haftbedingungen.
00:08:28: also auf jeden Fall will ich mehr essen haben.
00:08:31: Ja!
00:08:31: Also alles in einem wie du schon gesagt hast... Man muss sich das ja mal so vorstellen der Brief war sein Motivationsschreiben und die Skizze quasi der Ersatz für einen Lebenslauf.
00:08:42: Tobi Wie abgefakt ist das bitte?
00:08:46: Ich glaube, man sagt auch Delulu dazu heute.
00:08:49: Aber wirklich?
00:08:50: Aber ich finde das zeigt auch noch mal ganz gut sein Wesen und seinen Umgang eben auch mit seinen Taten.
00:08:55: da ist keine Reue sondern er will auch damit angeben oder zumindest hält es für eine gute Fähigkeit die Art.
00:09:02: Jetzt genug von Pleil.
00:09:04: was wir in dieser Folge ja machen wollen ist nachforschen wer die beiden Frauen aus dem Brunnen waren und was sie damals an die Zongrenze geführt hat.
00:09:16: Wir haben in der letzten Folge gehört, unter welchen Bedingungen Menschen in der Nachkriegszeit leben.
00:09:22: Was wir uns jetzt genauer anschauen müssen ist das was an der Grenze selbst passiert.
00:09:27: Denn dort entsteht in diesen Monaten eine eigene Welt mit eigenen Regeln.
00:09:33: Einer der Orte an denen sich das Grenzmilieu verdichtet ist Fienburg.
00:09:38: Vor dem Krieg ist der Harzort ein unscheinbarer Verkehrsknotenpunkt.
00:09:42: hier treffen sich die Bahnlinien Braunschweig-Hart und Hannover-Halberstadt.
00:09:49: Nach nineteenhundertvierzig ist damit Schluss, die Besatzungsmächte zerschneiden die Strecken.
00:09:55: Zwischen Fienenburg und Osterweg werden Schien herausgerissen und Straßen gesperrt – genau das macht Fienenberg zu einem der Brennpunkte an der Grenze!
00:10:05: Wer ohne Intation pass von der einen auf andere Seite will muss hierzu fuß weiter durch den Wald über die sogenannte Grüne Grenze.
00:10:15: Aber kaum jemand, der hier über die Grenze will kennt das Gelände.
00:10:18: Die Wege sind nicht ausgeschildert, die Orientierung im dichten Harzwald ist schwierig – besonders bei Dunkelheit und im Winter.
00:10:26: Dazu kommt die Angst vor Patrouillen!
00:10:28: Wer aufgegriffen wird riskiert Festnahme oder Schlimmeres.
00:10:32: Also suchen sich Menschen Hilfe von Grenzgängern, die die Wege kennen und sie gegen Bezahlung hinüberführen.
00:10:39: Immer im blinden Vertrauen ohne zu wissen in wessen Hände sie sich begeben….
00:10:45: Unter denen, die diese Grenzführer-Dienste in Anspruch nehmen sind viele Frauen.
00:10:50: Ihre Männer sind gefallen oder noch im Kriegsgefang schafft – die Kinder hungern zu Hause!
00:10:56: Also machen sie sich allein auf den Weg um Lebensmittel zu holen, Verwandte zu erreichen oder Habseligkeiten aus dem Alten Zuhause zu retten.
00:11:05: Die Angst vor dem Grenzübertritt ist präsent aber der Hunger zu Hause wiegt schwerer Und im Grenzmilieu kursieren immer wieder Geschichten über gelungene Fluchten die Hoffnung erzeugen, während gescheiterte Versuche und Gewalt oft verdrängt werden.
00:11:20: Genau in diesem Spannungsfeld aus Hoffnung, Angst- und extremer Abhängigkeit bewegt sich Rudolf Pleil.
00:11:27: Er hat es auf die Frauen abgesehen, die allein unterwegs sind – Frauen, die die Grenze überqueren wollen und die auf einen ortskundigen Führer angewiesen sind.
00:11:38: Pleil kennt die Wege durch den Wald!
00:11:40: Er kennt die alten Bahntrassen.
00:11:43: Er weiß, wo Patrouillens stehen und wo nicht Und er weiß dass das Grenzgebiet im Harz ein Niemandsland ist Ein Raum in dem Menschen verschwinden können ohne dass sofort jemand sucht.
00:11:56: Britische und sowjetische Besatzung treffen hier aufeinander doch eine Zusammenarbeit der ohnehin spärlich besetzten Polizeikräfte findet kaum statt.
00:12:06: Wer auf der einen Seite der Grenze verschwindet wird auf der anderen Seite nicht gesucht.
00:12:12: Es ist der threizente Dezember nineteenhundert sechsundvierzig.
00:12:16: Der Winter hat das Grenzgebiet fest im Griff, Schneelied auf den Gleisen bei Fienburg.
00:12:21: Der Atem gefriert in der Luft.
00:12:24: Pleil ist gezielt hierhergekommen an die Zonengrenze wo er weiß dass Nachtsfrauen allein unterwegs sind.
00:12:31: Er hat kein Quartier keine feste Bleibe für die Nacht also sucht er sich die Blockstelle fünfundzwanzig als Unterkunft Das verlassene Bahnwetterhäuschen nahe der stillgelegten Bahnstrecke bei Fienenburg.
00:12:44: Das Gebäude hat keine Tür mehr und auch keine Fensterscheiben.
00:12:48: Pleil hackt mit der Kupplungsstange eines Güterwagens herumliegendes Holzklein, und entfacht ein Feuer!
00:12:54: Die Frau die sich an diesem Abend der Blockstelle XXV nähert heißt Emmi Leppien.
00:13:00: Sie ist neununddreißig Jahre alt.
00:13:03: Ihr Mann, früher Polizeihauptwachtmeister in Bernige-Rode befindet sich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.
00:13:10: Also hat sie sich Anfang Dezember illegal auf den Weg über die Zonengrenze gemacht um bei verwandten Lebensmittel zu holen.
00:13:17: Nun ist sie auf dem Rückweg.
00:13:19: Im Rucksack trägt sie eine Gans, einen Kuchen und weitere Lebensmittel.
00:13:25: Etwas Bargeld hat sie in ihrer Unterwäsche versteckt.
00:13:28: Es ist ein riskanter Weg das weiß sie Aber zu Hause warten drei hungrige Kinder.
00:13:35: Als Emileppin das Feuer sieht, ist sie erleichtert – endlich etwas Wärme in dieser kalten Nacht!
00:13:42: Der Mann, der sie an der Blockstelle anspricht wirkt freundlich und unhoffdringlich.
00:13:46: Er erklärt im Grenznähe seinen sowjetischen Posten unterwegs.
00:13:50: es sei sicherer für Sie einen Moment zu warten.
00:13:54: Emilepping folgt der Einladung.
00:13:56: Während sich Pleil ums Feuer zu kümmern scheint dreht sie ihm für kurze Zeit den Rücken zu.
00:14:02: Darauf hat er gewartet.
00:14:05: Mit der Kupplungsstange schlägt Pleil auf ihren Kopf ein, Emileppin taumelt und stürzt beinahe ins Feuer.
00:14:12: Ein zweiter Schlag beendet ihr Leben.
00:14:15: Danach misshandelt Pleil ihren leblosen Körper.
00:14:19: Er durchsucht die Kleidung der Toten und findet vierhundert Mark eingenäht in der Unterwäsche.
00:14:25: Er stopft die Scheine in seine Hosentasche Dann lässt er ihre Leiche im Brunnen verschwinden.
00:14:34: Nur einen Tag nach dem Mord an Emmi Lepin kehrt Plyl wieder in die Blockstelle, zurück.
00:14:39: Wieder sammelt er Holz.
00:14:41: Wieder entzündet er ein Feuer.
00:14:43: Wieder wartet er!
00:14:45: Gertrud Glöde hat an diesem Tag bereits viele Kilometer hinter sich.
00:14:49: Sie stammt aus dem zerbombten Berlin und ist mit ihrer kleinen Tochter Elvira nach Vienenburg gezogen.
00:14:56: Ihr Mann ist im Krieg gefallen.
00:14:58: Sie muss nun noch einmal nach Berlin fahren um die alte Wohnung aufzulösen und ihre Habseligkeiten zu sichern.
00:15:05: Bevor sie aufbricht, gibt sie ihrer Tochter ein Versprechen!
00:15:09: Sie wird rechtzeitig zur Weihnachten zurück sein und ihr etwas Schönes mitbringen.
00:15:15: Ohne Interzonenpass bleibt ihr nur der illegale Weg.
00:15:19: Von Fienburg aus sind es vier Kilometer bis zur Grenze.
00:15:23: Danach noch einmal acht Kilometer zu Fuß bis zum nächsten Bahnhof.
00:15:28: In Berlin erledigt Gertrud Glöde alles Notwendige und packt zusammen was sie tragen kann.
00:15:33: Für Elvira kauft sie eine Puppe als Weihnachtsgeschenk.
00:15:38: Auf dem Rückweg macht sie Halt bei Bekannten und lässt aus Angst vor sowjetischen Kontrollen einen Teil ihres Gepäcks zurück, aber die Puppee nimmt sie mit.
00:15:48: Ein Bauer fährt sie mit einem Leiterwagen ein Stück Richtung Grenze – doch beim Absteigen verstauchte sich den Fuß und der restliche Weg fällt ihr schwer!
00:15:57: Es wird bereits dunkel, eilt sie sich von der Zonengrenze her der Blockstelle XXV nähert….
00:16:03: Nur noch wenige Kilometer trennen sie von zu Hause, von Elvira und Weihnachten.
00:16:09: Dann sieht sie das Feuer!
00:16:12: Ein Mann spricht sie an Es sei kalt man könne sich kurz aufwärmen.
00:16:16: die letzten Meter würden dann leichter fallen.
00:16:19: Vielleicht sei es auch besser noch einen Moment so warten wegen der Patrouillen in Grenznähe.
00:16:25: Gertrud Glöde folgt der Einladung und tritt in das Bahnwertherhäuschen.
00:16:30: Wenige Augenblicke später schlägt Rudolf Pleil zu.
00:16:34: Diesmal bleibt ihm kaum Zeit, das zu Ende zu bringen was er sich oft hatte.
00:16:39: Denn er hört plötzlich Stimmen in der Nähe!
00:16:42: Er packt die Tote und wirft sie in denselben Brunnen, in dem bereits Amy Lapin liegt.
00:16:48: Gertruds Gepäck nimmt er mit – auch ihren Mantel behält er.
00:16:52: Pleil bindet eine Schleife drum und wird ihn später seiner Frau zur Weihnachten schenken.
00:16:57: Beim Durchsuchend des Gepacks findet Pleil auch die Puppe, die Gerdrod Glöde nicht bei Bekannten zurückließ Obwohl sie fast alles andere dort ließ.
00:17:06: Pleil steckt sie ein, seine eigene Tochter wird sie zu Weihnachten bekommen.
00:17:12: Ein Mädchen schaut erwartungsvoll aus dem Fenster.
00:17:15: Ihre Mutter ist schon viel zu lange unterwegs.
00:17:18: Sie hat versprochen vor den Feiertagen wieder da zu sein und eine Puppe mitzubringen Doch Tage werden zu Wochen.
00:17:27: In Fienenburg wartet die zehnjährige Elvira Glöde sehnsüchtig auf ihre Mutter.
00:17:32: Sie glaubt, ihre Mutter sei vielleicht aufgehalten oder festgenommen worden.
00:17:36: Vielleicht kommen sie ja am nächsten Tag?
00:17:39: Aber sie wird Weihnachten ohne ihre Mutter feiern!
00:17:42: Wochenlang geht das Kind immer wieder zur Polizei zu einem Wachtmeister Kalbowski doch die polizeiliche Befugnis endet an der Grenze und die Ermittlungen verlaufen im Wagen.
00:17:54: Man vermutet dass Gertrud Glöde in sowjetische Haft geraten ist.
00:17:58: Erst mehr als anderthalb Jahre später Nach Öffnung des Brunnens erfährt die Tochter die grauenvolle Wahrheit.
00:18:05: Ihre Mutter wurde kurz vor ihrem Zuhause ermordet und das Versprechen, dass sie ihrer Tochter gab hat sie nicht gebrochen sondern wurde ihr gestohlen.
00:18:15: Rudolf Pleil hat nicht nur Hermann Bennen, Emmy Leppin und Gertrud Glöde getötet.
00:18:21: Mit der Öfflung des Brunnens beginnt eine Ermittlung, die immer weitere Kreise zieht.
00:18:27: Als die Beamten Pleil befragen welche Morde er noch begangen habe wird er sagen, wenn es nur die zwei Weiber gewesen wären.
00:18:35: Aber bei dem Pensum das ich vollbracht habe?
00:18:38: Wie soll man da den Überblick
00:18:39: behalten?".
00:18:51: Gertutlödes Tochter Elvira Rovold wie sie inzwischen heißt hat übrigens auch die ARD-Doku die großen Kriminalfälle der Todmacher Rudolf Plein mitbegleitet und war als Interviewgast dabei.
00:19:02: sehr bewegend.
00:19:04: Ja, und übrigens ist auch Reinhold Kalbowski in der Doku zu sehen.
00:19:08: Die Doku ist aus dem Jahr zwei Tausend Sieben und wirklich sehr lohnenswert da mal reinzuschauen.
00:19:14: Lass uns doch einmal ganz kriminalistisch an die Sache rangehen!
00:19:18: Modus operandi – also treue Hörerinnen und Hörern kennen den Begriff bereits.
00:19:23: Es geht um die typische Vorgehensweise eines Täters Denn oft erkennt man wiederkehrende Muster gerade bei Serientätern Und sie werden in fünf Phasen analysiert Opfeauswahl, Annäherung, Kontrolle, Tötung und Nachtartverhalten.
00:19:39: Lass uns das doch mal durchgehen!
00:19:41: Machen wir also Phase eins die Opfe-Auswahl.
00:19:46: Pleil sucht sich nicht irgendwem aus.
00:19:49: es gibt bei ihm ein paar Abweichungen.
00:19:51: jetzt wie Hermann Bennen so hart das Kling mag aber in der Regel haben seine Opfer ein ganz klares Profil weiblich meist mehrgewichtig Allein und illegal unterwegs, ja.
00:20:04: Und gerade wegen Letzterem ist diese Personengruppe sozial recht unsichtbar.
00:20:09: also wenn sie verschwinden dann sucht erst mal niemand oder wenn jemand sucht dann ja meist auf der falschen Seite der Grenze plei nutzt das einfach aus.
00:20:20: Also dieses Niemandsland über dass wir vorhin gesprochen haben Das verwischt immer wieder seine Spuren.
00:20:26: Okay Phase zwei die Ernährung.
00:20:29: Wir haben gerade gehört, wie das abläuft.
00:20:31: Pleyel bietet den Frauen Hilfe oder andere Dinge an in Form von Wärme am Feuer, Sanitätigkeit als Grenzgänger manchmal aber auch Essen- oder Alkohol und er schürt ihre Angst.
00:20:42: also er warnt vor den angeblichen Patrullen in der Nähe.
00:20:46: Und wenn du im Winter bei Minusgraden durch den Wall stapst und dir dann jemand einen Platz zum Aufwärmen gibt Naja... Dann ist es so lockend!
00:20:54: Und dazu kommt auch dass Pleyl relativ unscheinbar aussieht.
00:20:59: Phase drei Die Kontrolle.
00:21:02: Sobald die Frau bei ihm bleibt oder mit ihm geht, wartet Pleyl nur darauf, dass sie sich mit dem Rücken zu ihm dreht?
00:21:07: Oder er sich ein paar Schritte zurückfallen lassen kann?
00:21:11: Dann geht's schnell!
00:21:12: Die Tatwaffe ist griffbereit – meist irgendeinen stumpfer Gegenstand oder sein Beil.
00:21:16: Und damit sind wir dann bei Phase vier die Tötung.
00:21:20: Pleylschläge von hinten zu Immer auf den Kopf und das Mehrfach, und das liegt an seiner Motivation für die Taten.
00:21:28: Denn die hat eine ganz klare sexuelle Komponente.
00:21:32: Also klar wenn die Frauen Alkohol oder anderes dabei haben dann ist es noch mal ein Zusatzgrund für ihn zu töten.
00:21:38: aber der Hauptgrund, der liegt darin dass es ihm sexuelle Erleichterung verschafft zu töte.
00:21:44: also er verspürt Erregungen durch die Gewalt ja durch das Sehen von Blut.
00:21:52: Sein ganz klares Ziel ist es, beim Mord zum Orgasmus zu kommen ohne sich dabei anzufassen.
00:21:58: Danach misshandelt er die Frauen nach seiner sogenannten pleilschen Methode.
00:22:04: Wir verzichten hier jetzt ganz bewusst auf die Details.
00:22:07: Ja.
00:22:08: und dann Phase Fünf das Nachteilverhalten.
00:22:11: Was können wir da festhalten?
00:22:13: Also Plei durchsucht die Kleidung und das Gepäck seine Opfer Und dabei nimmt der nicht nur Wertvolles an sich sondern ja eben auch All das, was er seiner Frau und seinen Kindern schenken kann.
00:22:25: Und danach gibt es dann unterschiedliche Wege wie's
00:22:28: weitergeht.".
00:22:29: Meist verschart er die Leichen, versteckt oder vergrebt sie – doch wenn er tief genug im Wald ist und er noch in seinem Rausch ist quasi, vergisst er's gelegentlich und lässt die Leiche an Ort und Stelle liegen!
00:22:41: Das ist mitunter auch der Grund warum er nicht für alle gestandenen Morde verurteilt werden konnte.
00:22:46: Er selbst sprach erst von «fürzig Morden» an Frauen Später von fünfundzwanzig, eben den einen mehr als Haarmann weil er ja als größer Todmacher gelten wollte.
00:22:58: Das ist sein Modus Operandi!
00:23:00: Wir werden aber in einer der späteren Folgen vielleicht noch die ein oder andere Ergänzung dazu vornehmen.
00:23:06: und damit sind wir auch wieder bei der spannenden Frage warum?
00:23:20: Im Verhör macht Pley kein Heel daraus was ihn antreibt Denn neben seiner sexuellen Motivation und der Hartgier steckt etwas, das tief in ihm verankert ist.
00:23:31: Rudolf Pleil hasst Frauen so sehr dass seine ganze Biografie voll ist mit frauenfeindlichen und unerträglichen Aussagen.
00:23:40: an einer Stelle stellt er seine Schuld infrage.
00:23:43: In seiner welt müsse man ihm doch dankbar sein Dass er Zitat die Welt von ein paar exemplaren befreit habe.
00:23:52: Was is der ursprung seines Hasses?
00:23:54: Wie wurde aus dem Jungen, aus dem Erzgebirge?
00:23:57: Der junge Serienmörder, der nicht nur über Zongrenzen geht.
00:26:11: Mord vor Ort ist eine private Produktion von Kerstin Hess und Tobias Bindhammer.
00:26:22: Musik, Pixabay und erstellt mit Suno.
00:26:25: Vielen Dank an das Ingenieurbüro HES und dann alle Unterstützerinnen und
00:26:46: Unterstützer!
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