Folge 1: Rudolf Pleil - Durch den Wald

Shownotes

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei – doch seine Wunden sind tief. Deutschland liegt in Trümmern, eine neue Grenze zerschneidet Familien und Dörfer, und der Hungerwinter 1946/47 treibt Menschen zu verzweifelten Entscheidungen. Genau in diesem Chaos bewegt sich Rudolf Pleil: Schleuser, Trinker, Mörder. Er wird sich selbst zum „besten Totmacher Deutschlands" erklären. In der ersten Folge von Staffel 3 reisen Kerstin und Tobias in den Harz nach Zorge. Hier beginnt die Geschichte eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Wir erzählen, wie die Zonengrenze entstand, warum Menschen ihr Leben riskierten, um sie zu überqueren – und wie Rudolf Pleil das für sich nutzte. Mit tödlichen Folgen.

⚠️ Triggerwarnungen Diese Folge enthält folgende Inhalte, die für manche Hörerinnen und Hörer belastend sein können:

  • Mord und detaillierte Gewaltdarstellung
  • Gewalt mit Waffen
  • Gewalt in Haft
  • Sexuelle Gewalt
  • Alkoholmissbrauch
  • Krieg und Nachkriegszeit
  • Hunger und Verelendung
  • Flucht und Vertreibung
  • Tod und Sterben

Quellenverzeichnis [1] Barnstorf, Fritz: „Der Fall Pleil". In: Der Spiegel, Nr. 45/1950, erschienen am 07.11.1950. [2] Sellin, Fred: Nur Heringe haben eine Seele: Geständnis eines Serienmörders – Der Fall Pleil. Droemer Verlag, November 2020. [3] stern Crime, Nr. 56, September 2024: „Der nette Begleiter". [4]Sellin, Fred: Nur Heringe haben eine Seele: Geständnis eines Serienmörders – Der Fall Pleil. Droemer Verlag, November 2020. [5] stern Crime, Nr. 56, September 2024: „Der nette Begleiter". [6] Wikipedia: Rudolf Pleil. [7] ARD: Die großen Kriminalfälle – „Der Totmacher" Rudolf Pleil. [8] Zeitzeugen-Portal: Helga Erasmi – „Dem ‚Totmacher' entkommen". [9] Terra X History: Überleben – Dresden 1946. Wie war der Alltag im Nachkriegsdeutschland? [10] NDR Doku: Hungerwinter. [11] ARD Doku: Der Hungerwinter – Überleben im zerbombten Deutschland.

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Transkript anzeigen

00:00:04: Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, doch seine Schrecken und Folgen sind im ganzen Land spürbar.

00:00:10: Nicht zuletzt durch eine neu gezogene Linie die Ost-und West voneinander trennt.

00:00:17: Wir sind an Zonengrenzen, die nicht passiert werden dürfen.

00:00:22: Doch es ist das Leben dass Menschen zu gefährlichen Handlungen treibt.

00:00:26: Familien Freunde Hab'n Gut Das auf der anderen Seite dieser Grenze liegt Und Es gibt Menschen Die die Schleichwege kennen und sich dafür gut bezahlen lassen.

00:00:38: Unter ihnen sind viele, die das Leben nicht schätzen.

00:00:42: Sie rauben sie vergewaltigen und töten.

00:00:50: Und es gibt einen Mann der alles drei aus seiner Sicht perfekt beherrscht Rudolf Leil.

00:00:58: Er wird sich zum besten Todmacher Deutschlands erklären Willkommen beim Mord vor Ort!

00:01:11: Willkommen im Harz.

00:01:17: Das ist jetzt das Kontrastprogramm zu Berlin aus Staffel zwei.

00:01:21: Aber schön, direkt am Waldrand?

00:01:24: Ja dafür mussten wir auch erstmal diese Bergstraße hier hochwandern und so viel sei schon mal gesagt.

00:01:30: Wir werden in dieser Staffel ja das ein oder andere Mal wandern!

00:01:35: Ja und damit herzlich willkommen zur Staffel drei von Mord vor Ort.

00:01:40: Was passiert in diesem Podcast?

00:01:41: Kerstin und ich, Tobias erzählen euch die echte Geschichte rund um den Serienmörder Rudolf Pleil.

00:01:48: Und dazu reisen wir an die Orte des Geschehens und versuchen, die Atmosphäre zu euch nach Hause zu bringen.

00:01:53: Wichtig ist uns das was damals passiert ist ja genau so zu erzählen wie es wirklich war!

00:02:00: Das ist manchmal hart.

00:02:01: deshalb findet ihr alle Triggerwarnungen in den Shownotes.

00:02:05: In dieser und den nächsten Folgen schauen wir auf die Nachkriegszeit, und genauer auf die Grenze zwischen sowjetischer und englischer Besatzungszone.

00:02:20: Und wer war der Mann, der von sich behauptete, der beste Todmacher Deutschlands zu sein?

00:02:35: Uns interessiert aber vor allem auch, welche Geschichten brachten seine Opfer an die innerdeutsche Grenze?

00:02:41: Und wir sind jetzt gerade an einer heutigen Gott sei Dank nicht mehr gefährlichen Grenze.

00:02:47: Wir sind in Sorge – das liegt mitten im Drelendereck zwischen Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

00:02:52: Genauer gesagt sind wir die hohe Harzstraße ins Sorge hochgelaufen?

00:02:58: Es ist jetzt nicht ganz klar, aber eine Quelle sagt dass Rudolf Plei in genau dieser Straße für einige Zeit gewohnt haben soll.

00:03:06: Und bevor wir euch erzählen wie es hier heute aussieht gehen wir direkt rein in das was vor ungefähr achtzig Jahren hier passiert ist Auf den Spuren eines Mörders quer durch die Wälder im Harz direkt vor deiner Haustür!

00:03:51: Der Kaufmann Hermann Bennen ist auf dem Weg von Hamburg in die Gemeinde Walkenried im Südharz.

00:03:58: Das ist nicht sein Endziel, er will weiter in die sowjetische Zone wahrscheinlich um ein paar Geschäfte zu erledigen.

00:04:06: Im Zug trifft er den Zweiundzwanzigjährigen Rudolf Pleil der nach eigenen Aussagen ebenfalls einige Besorgung gemacht hat vermutlich am Schwarzmarkt um an Alkohol zu kommen.

00:04:18: Es ist sehr wahrscheinlich, dass Rudolf Pleil bereits betrunken ist als er Hermann Bennen begegnet.

00:04:24: Sie unterhalten sich und Pleil bietet dem Kaufmann an ihn in die sowjetische Besatzungszone zu bringen – vorbei an der Grenzpolizei und ohne den lästigen Papierkram, der oft Wochen dauern kann!

00:04:38: Er kenne die Gegend und die Wälder wie seine Westentasche und habe schon viele Menschen von West nach Ost und andersrum geschleust natürlich gegen eine gewisse Bezahlung.

00:04:48: Hermann Bennen willigt ein.

00:04:50: Beide steigen gemeinsam in Weikenried aus und laufen etwa eineinhalb Stunden zu Fuß weiter, in das benachbarte Dorf Zorge.

00:04:58: Dort machen sie einen kurzen Abstecher in Pleyls Wohnung.

00:05:02: Er verstaut seine Fracht aus Hamburg und steckt unbemerkt ein Beil in seinen Rucksack.

00:05:08: Draußen ist es dunkel geworden als Pleyl und Bennen sich wieder aufmachen – in den Wald weiter Richtung sowjetische Zone!

00:05:18: Doch warum geht der Kaufmann überhaupt mit Pleil los?

00:05:22: Warum geht er nicht über die befestigte Straße und weht lieber den unbequem Weg quer durch den Wald im Mittelgebirge.

00:05:30: Dazu müssen wir die Zeit etwa zwei Jahre zurückdrehen.

00:05:34: Am achten Mai, nineteenhundertfünfundvierzig kapituliert der NS-Staat.

00:05:39: Adolf Hitler hatte sich eine Woche zuvor das Leben genommen.

00:05:43: Damit ist der Krieg in Europa zu Ende Und die Vizigermächte England Die USA, Frankreich und die Sowjetunion teilen Deutschland unter sich in Vierbesatzungszone auf.

00:05:54: Ziel ist, Deutschland zu entmilitarisieren, zu entnazifizieren und zu demokratisieren.

00:06:00: In Deutschland herrscht auch nach Kriegsende Ausnahmezuchstand.

00:06:05: Die Infrastruktur ist komplett zerstört – vor allem einige Großstädte wie Dresden hat es besonders schwer getroffen!

00:06:15: Hinzu kommen Millionen Flüchtlinge im ganzen Land.

00:06:19: Und die allermeisten Lieferketten sind unterbrochen, eine Hungersnot kündigt sich an.

00:06:25: Den Feind, den die Siegermächte vorher bekämpft haben müssen sie nun am Leben

00:06:30: erhalten.".

00:06:31: In den Jahren nineteenhundertfünfundvierzig und sechsundviertzig werden in der sowjetischen Zone Großgrundbesitzer enteignet Betriebe verstaatlicht ganze Industrien demontiert als Ersatz für Reparationsleistungen.

00:06:45: Im Westen hingegen werden marktwirtschaftliche Strukturen etabliert.

00:06:50: Und das hat Folgen – im Westen geht es wirtschaftlich schneller voran, weshalb aus der sowjetischen Zone viele Unternehmer, Bauern und Fachkräfte abwandern.

00:07:00: Durch die Lebensmittelknappheit und die unterschiedlichen Systeme kommt es auch zu unterschiedlichen Preisen für dieselbe Ware.

00:07:08: Ein gigantischer Schwarzmarkt entlang der Zonengrenze entsteht!

00:07:13: So verkaufen oder tauschen viele Bauern aus dem Osten ihre Ware im Westen für bessere Preise.

00:07:20: Und andersherum gelangen westliche Konsumgüter in die Ostzone.

00:07:25: Wer kein Geld oder Tauschwaren hat, kann mit einer anderen Währung zahlen.

00:07:30: Zigaretten sind ein akzeptiertes Zahlungsmittel.

00:07:34: Eine Zigarette ist zehn Reichsmark wert.

00:07:38: Kaufkraft bereinigt wären das heute etwa fünfzig Euro!

00:07:42: Wobei die Reichsmarkt zu dieser Zeit so gut wie wertlos war.

00:07:46: Die Zigarette selbst war das eigentliche

00:07:48: Wertversprechen.".

00:07:51: Um sowohl die unkontrollierte Migrationen als auch den Schwarzmarkt an der Grenze zu unterbinden, beschließt die sowjetische Besatzungsmacht die sogenannte Sperrung der Demarkationslinie.

00:08:03: Das heißt ab dem dreißigsten Juni nineteenhundertsechsundvierzig sind Reisen über die innerdeutsche Grenze nun genehmigungspflichtig.

00:08:12: Später wird sogar eine eigene Grenzpolizei dafür eingesetzt.

00:08:16: Die Linie durchschneidet Familien- und Dorfgemeinschaften, Freundeskreise und Vereine werden geteilt, Versorgungslinien werden gekappt und Arbeitswege werden abgeschnitten.

00:08:28: Wo die Zonengrenze noch durchlässig ist, wird sie zur Überlebensstrategie.

00:08:33: Menschen überqueren sie weiterhin um Lebensmittel zu tauschen, Brennmaterial zu beschaffen aber auch um Arbeit zu suchen.

00:08:40: Wer die Grenze legal übertreten möchte, braucht einen sogenannten Interzonenpass.

00:08:46: Man muss einen Antrag stellen und begründen warum man die Zone wechseln möchte.

00:08:50: Die Bearbeitung kann wochendauern und der Antrag ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden.

00:08:56: Die Zonengrenze verwandelt sich schrittweise in eine ideologische Trennenlinie – nicht zuletzt weil sich die Siegermächte nicht mehr auf ein gemeinsames Deutschlandprojekt einigen können!

00:09:07: Dann kommt der Winter, nineteenhundertsechsundvierzig, siebenundvierzig.

00:09:11: Der sogenannte Hungerwinter!

00:09:14: Mit Temperaturen teilweise unter minus zwanzig Grad frieren ganze Flüsse zu.

00:09:20: Der Kohletransport kommt zum Erliegen, die Stromproduktion bricht ein und der Bahnverkehr fällt weitgehend aus.

00:09:29: Um eine Vorstellung zu geben – Die Bahn braucht für zweihundert Kilometer manchmal bis zu zwei Wochen Denn man kommt nur im Schritttempo voran.

00:09:38: Die ohnehin maroden Lieferketten brechen nun vollständig zusammen.

00:09:43: Lebensmittel werden rationiert, es gibt sogenannte Lebensmittelkarten in verschiedenen Klassen.

00:09:49: Wer nicht als Schwerarbeiter eingestuft wird, erhält die schlechteste Klasse, die im Volksmund als Sterbekarte bekannt ist.

00:09:58: Damit erhält eine Person eine Essensration von ein tausend bis eintausend fünfhundert Kalorien pro Tag.

00:10:05: In den Großstädten gibt es teilweise nur Rationen von achthundert Kalorien.

00:10:10: Oft gibt es dafür nur drei Gramm Fett und drei Scheiben Brot.

00:10:15: Zum Vergleich, ein erwachsener Mensch braucht ungefähr zweitausend bis zweitausend fünfhundert kalorien!

00:10:23: Zeitzeugen sagen dass dieser Winter für viele schlimmer war als die letzten Kriegsmonate.

00:10:29: Es gibt kein Staat keine funktionierende Wirtschaft keine Wärme zu wenig Nahrung.

00:10:36: Was man in die Finger bekommt, wird gegessen.

00:10:38: Alles was verbrannt werden kann, wird

00:10:40: verfreuert.".

00:10:43: Im Osten gilt die Devise das sich die Zone selbst versorgen müsse.

00:10:47: Es gibt keine Hilfslieferungen aus der Sowjetunion.

00:10:50: Im Gegenteil Aus der sowjetischen Zone werden in dieser Zeit insgesamt rund eine halbe Million Tonnen Nahrung nach Moskau transportiert.

00:10:59: Auch in den West-Zonen ist die Hungersnot allgegenwärtig.

00:11:02: In Großbritannien steht man vor allem Dilemma Einerseits die eigene Bevölkerung zu versorgen, denn auch dort werden Lebensmittel rationiert und andererseits den ehemaligen Feind nicht verhungern zu lassen.

00:11:16: Aus den USA kommen im Dezember nineteenhundert sechsundvierzig sogenannte Kea-Pakete mit Lebensmittelrationen – der Großteil wird in der britischen Besatzungszone verteilt.

00:11:27: Diese Weltunion nimmt diese Hilfe nicht an.

00:11:31: Schätzungen zufolge sterben in Deutschland in diesem Winter rund vierhunderttausend Menschen.

00:11:37: Im März, nineteenhundertsehnundvierzig taut langsam das Eis.

00:11:42: Man hat diesen Winter überstanden aber er hat ihn den Menschen eines verankert Wer überleben will muss bereit sein Regeln zu umgehen.

00:11:52: Damit sind wir wieder im April In Sorge bei Kaufmann Hermann Bennen und Rudolf Pleil.

00:12:08: Ich muss sagen, dass ich mich bei der Recherche dazu etwas verloren habe.

00:12:24: Und als ich mir die Doku zum Hungerwinter angeschaut habe, das war hart.

00:12:43: Da sind wir wirklich in Patreden gekommen Wenn so Zeitzeugen erzählen wie sie das erlebt haben was sie tun mussten um zu überleben.

00:12:51: Das war schon wirklich heftig.

00:12:53: Bei mir gibt es ja keine Omas und Opas mehr aber du hast darüber mit deiner Oma gesprochen oder?

00:12:58: Ja genau tatsächlich muss man sagen dass unsere Familie wohl relativ gut durch diesen Winter damals gekommen ist.

00:13:06: Also sie mussten nicht hungern und ja, Sie mussten auch nicht wirklich frieren.

00:13:12: dafür hat wohl der Opa von meiner Oma gesorgt.

00:13:15: Der war nämlich ziemlich intensiv in einem Fußballverein vernetzt gewesen Und hatte über diese Beziehung dann immer mal wieder Zugang zu Fleisch und zu Mehl.

00:13:27: also man muss echt sagen Beziehungen waren damals Ja gerade in dieser Zeit wirklich das A und O Und mein Uroopa ist wohl auch kreativ geworden, damit die Familie es warm hatte.

00:13:40: Also zum Beispiel hat er wohl Zeitungen gestapelt um dann da mit den Fenster zu dämmen und er hat für jedes Familienmitglied Ziegelsteine ins Ofenrohr gelegt und die wurden abends ins Bett gepackt, damit niemand kalte Füße haben musste also quasi eine Art von Wärmflasche.

00:14:02: Krass!

00:14:04: Wirklich danke, dass du sie gefragt hast und das mit uns geteilt hast.

00:14:07: Ja, das war irgendwie auch total das besondere Telefonat.

00:14:10: also man hat halt auch einfach gemerkt was da emotional ja bei meiner Oma noch so mitgeschwungen ist und das obwohl es der Familie wirklich gut ging für die damaligen Verhältnisse.

00:14:21: Das nochmal ganz klar gesagt.

00:14:23: Du hattest aber ja noch einen zweiten Gedanken vorhin erwähnt?

00:14:27: Ähm...ja Uns geht es heutzutage gut und wir schätzen das nicht genug wert.

00:14:33: Das ist mein Statement.

00:14:35: Ja, da füge ich nichts mehr hinzu und nutze den Schwung um wieder ins Heute zu kommen.

00:14:41: Wir stehen ja jetzt gerade ganz oben in der Hohe Harzstraße.

00:14:46: Ob sie jetzt früher genauso verlief wie heute das konnten wir nicht mehr ganz rekonstruieren

00:14:52: aber

00:14:52: wir gehen nach unserer Recherche davon aus dass wir hier richtig sind

00:14:57: Und wir stehen quasi am Übergang von Wohngebiet zu Wald also genau dort wo auch Pleil und der Kaufmann Bennen losgelaufen sind.

00:15:05: Und es sieht hier eben ja, genau so aus.

00:15:08: also was soll ich sagen?

00:15:09: die Straße führt weiter in den Wald hinein und auf der rechten Seite der Straße da geht das Steilberg ab.

00:15:16: Hier hat sich nämlich der Zorgerbach ein Weg durch das Gebirge gefressen wenn man so will Wobei man sagen muss dass der Bach zumindest heute und jetzt an dieser Stelle eher ein kleines Rindsaal ist.

00:15:29: Ja, das Wasser ist heute niedrig.

00:15:31: Aber der Zorger Bach führt auf jeden Fall gut Wasser und hat sogar auch ein Wasserfall zu dem man wandern kann.

00:15:37: Und so viel kann ich bereits verraten.

00:15:39: Der Bach wird noch zu einem wichtigen Ort werden

00:15:42: Das stimmt.

00:15:50: Rudolf Pleil und Hermann Bennen machen sich auf den Weg durch den Wald um von Zorge aus in die sowjetische Besatzungszone zu gelangen.

00:15:59: Wahrscheinlich ist Ellrich das Ziel Ein kleine Ort in Thüringen, rund eineinhalb Stunden zu Fuß entfernt immer am Zorger Bach entlang.

00:16:08: Diese Strecke kennt Pleil eigentlich wie seine Westentasche doch heute scheint er den Weg nicht zu finden.

00:16:15: Später wird er sagen dass er zu betrunken war.

00:16:19: Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen sie das Ende des Waldes aber auf der falschen Seite.

00:16:26: Sie sind zurück im Zorge dort wo sie gestartet sind.

00:16:30: Hermann Bennen ist sauer und macht seinem Ärger Luft.

00:16:33: Es ist bereits nach Mitternacht, und er ist immer noch nicht an seinem Ziel.

00:16:38: Das ewige Gemäcker geht Pleil auf die Nerven!

00:16:42: Er dreht sich von Bennen weg und zieht das Beil aus seinem Rucksack.

00:16:46: Mit einem gezielten Schlag trifft Pleil den Kaufmann auf den Kopf – er schlägt nun mehrfach zu.

00:16:52: Mal mit der Spitzenseite des Beils mal mit der Stumpfenseite.

00:16:57: Das Gesicht von Bennen ist kaum noch zu erkennen….

00:17:02: In Pleils Memoiren wird er diesen Moment später so beschreiben.

00:17:07: Schon lag er im Dreck, kein Mux mehr war zu hören – nur das Geräusch vom Wind Zwischen zwei Wellen.

00:17:14: gibt's diesem Moment wenn sich das Wasser von der Einwelle zurückzieht?

00:17:18: Da wird es rauschen ganz leise dass man schon denkt gleich hört man gar nichts mehr.

00:17:23: Aber auf einmal kommt die nächste Welle angebraust.

00:17:26: Genauso hat es sich da am Wald angehört Als hätte der wind zwischendurch Luft holen müssen damit er danach wieder lospusten konnte, wie wild.

00:17:36: Solche poetischen Entgleisungen finden sich immer wieder in seinen Memoaren.

00:17:41: Wir lesen dieses Zitat vor um zu zeigen, wie wenig Reuepleil empfindet – auch lange nach der Tat!

00:17:47: Er vergleicht den Mord mit einem schönen Moment am Strand.

00:17:51: Wir verzichten in den weiteren Folgen auch seine lyrischen Darstellungen….

00:17:56: Nach dem Mord nimmt Pleyel bennens Wertsachen an sich und entsorgt die Leiche und sein Beil im Zorger Bach.

00:18:03: Dann flieht er in die sowjetische Zone, den richtigen Weg findet er jetzt auf Anhieb.

00:18:09: Es ist noch dunkel als er den Elricher Bahnhof erreicht.

00:18:13: Am frühen Morgen nimmt er die erste Bahn und fährt zu seiner Ehefrau nach Chemnitz.

00:18:18: Außer dass er viel Geld dabei hat fällt ihr nichts Ungewöhnliches an ihm auf.

00:18:23: Sie schlafen miteinander.

00:18:26: Am nächsten Tag macht er sich wieder auf den Weg zurück nach Zorge.

00:18:38: Und da sind wir am Zorger Bach!

00:18:40: Wir haben uns eine Stelle ausgesucht, wo wir näher ran konnten ohne Angst haben zu müssen den Hang runterzufallen.

00:18:46: und hier wirkt der Bach auch bachiger breiter nicht tiefer.

00:18:52: Übrigens haben wir euch natürlich auch wieder von allen Orten Fotos und Videos mitgebracht Und auch insgesamt Fotomaterial zu dem Fall.

00:19:01: Die könnt ihr wie immer auf Instagram oder auch TikTok sehen unter Mord vor Ort, Unterstrich, Podcast.

00:19:08: Folgt uns da doch gerne rein und lasst uns einen Kommentar da!

00:19:11: Wir freuen uns auf jeden Fall auf eure Nachrichten.

00:19:14: Wollen wir mal den gesamten Weg recapitulieren?

00:19:17: Den Plyle binnen weniger Stunden zurückgelegt hat.

00:19:20: Teils zu Fuß, teils mit der Bahn... Du sagst die Orte ich gebe Zeit um

00:19:25: Kilometer?!

00:19:26: Okay Also wir starten in Hamburg und fahren mit dem Zug nach Weichenried.

00:19:32: Das sind knapp zweihundertachzig Kilometer, früher war die Streckenführung natürlich anders aber heute braucht man mit Öffis knapp dreieinhalb Stunden.

00:19:41: Ja also in dreieinhalb Stunden da kann man sich durchaus kennenlernen.

00:19:46: dann zu Fuß nach Zorge und von da aus im Wald herum geirrt und dann weiter nach Erich.

00:19:53: Wir wissen natürlich nicht, wie viele Kilometer sie da durch den Wald im Kreis gelaufen sind.

00:19:57: Aber auf direktem Wege.

00:19:58: während es siebzehn Kilometer zu Fuß braucht man laut Google Maps etwa vier Stunden.

00:20:04: So und jetzt wird's wild!

00:20:06: Jetzt fährt er von Ellrich über Leipzig nach Chemnitz und am nächsten Tag zurück zur Zonengrenze.

00:20:13: Da steigt er dann in Benikenstein aus.

00:20:17: Alles mit dem Zug?

00:20:18: sind das hin, dreieinhalb Stunden und zweihundertfünfzig Kilometer.

00:20:23: Und zurück heutzutage mit der Bahn fünf ein halb Stunden und nochmal zwar neunundzwanzig

00:20:28: Kilometer.".

00:20:29: Okay!

00:20:30: Letzte Etappe dann wieder zu Fuß von Bennikenstein nach Zorge.

00:20:35: Ach, sind alle noch dabei?

00:20:36: Also können alle folgen hier?

00:20:39: Noch mal zwei Stunden Fußmarsch für achtenhalb Kilometer...

00:20:43: Zwei im Sinn plus mal geteilt, macht das fast.

00:20:46: Neunzehn Stunden Reisezeit und siebenhundertfünfundachtzig Kilometer!

00:20:51: Das ist Luftlinie mehr als die Entfernung Hamburg-Paris.

00:20:56: Also wir werden uns aber in einer der weiteren Folgen auch anschauen dass diese Umtriebigkeit Wanderlust schon länger ein Thema beidem ist.

00:21:07: Das ist gar nicht so ungewöhnlich.

00:21:09: Aber Kerstin, bevor wir jetzt in den finalen Part unserer Folge gehen.

00:21:14: Wir haben noch gar nicht über sein Aussehen gesprochen!

00:21:17: Ich habe hier mal ein Bild für dich.

00:21:18: Willst du ihn mal beschreiben?

00:21:20: Ja vielleicht vorweg.

00:21:22: das ist eines der bekanntesten Fotos von ihm und ich würde noch ein paar Insights aus dem Akten dann hinzufügen wenn man vielleicht nicht alles auf dem Foto erkennt.

00:21:32: also auf dem foto ist er ungefähr zweiundzwanzig dreiundzwantig Jahre alt.

00:21:38: Pleyl ist eher klein, ein Meter, dreiundsechzig und er wiegt achtzig Kilo.

00:21:43: Also erst kräftig gebaut.

00:21:45: sein Gesicht ja es recht rundlich hat dunkle Haare die ihr hier jetzt auf dem Foto in einem Seitenscheitel trägt.

00:21:54: Er trägt auch so eine kleine runde Brille so bisschen Harry Potter mäßig Ja und auf dem foto trägt er ein kurzärmliches Hemd- und Hosenträger.

00:22:04: Er lächelt Jetzt erst mal so weit ganz freundlich in die Kamera.

00:22:08: Also alles in allem aber irgendwie auch unscheinbar, wenn man aber natürlich weiß was er alles getan hat.

00:22:16: Ja wirklich dieses Foto und wie er sich jetzt hier so ich sage jetzt mal zurecht gemacht hat und auch dieses Lächeln echt.

00:22:23: also ja puh anders.

00:22:26: Und vielleicht noch ein spannendes Detail das man auf Fotos nicht sehen kann logischerweise?

00:22:31: Es wird berichtet dass er leicht stottert und mit einem starken sächsischen Dialekt spricht.

00:22:36: Und viele Ärzte, die ihn später untersuchen und beobachten beschreiben ihnen als intelligenten Menschen

00:22:43: Ja doch auch dem mutmaßlich intelligenten Pleil unterlaufen Fehler.

00:22:57: Zuhause angekommen waset bereits die Polizei auf Rudolfpleil.

00:23:00: Hermann Bennens Leiche wurde gefunden und direkt daneben die Tatwaffe.

00:23:06: Darauf findet sich eine eingravierte Nummer eindeutig einem Seegewerk zuzuordnen, in dem Pleil gelegentlich arbeitet.

00:23:14: Pleil bestreitet alles!

00:23:16: Er habe Ben nicht umgebracht – das sei sein Freund Harry gewesen.

00:23:20: Dieser habe ihm das Beil für dreißig Zigaretten abgekauft und vorgeschlagen den Kaufmann auszurauben.

00:23:26: Nach der Tat hätten sich ihre Wege getrennt und Pleil habe seinen Anteil etwas Geld ein Rucksack und eine Aktentasche mitgenommen.

00:23:34: Doch seine Geschichte geht nicht auf….

00:23:37: Zwei Monate nach der Festnahme wird er angeklagt.

00:23:40: Am fünften Dezember, nineteenhundertsehnundvierzig, wird Pleil wegen Totschlags zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.

00:23:47: Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch keiner welches Ausmaß die Taten dieses Mannes wirklich haben.

00:23:54: Pleil kommt zuerst in eine Gemeinschaftszelle.

00:23:58: es dauert nicht lange bis sein Zellengenosse ihm auf die Nerven geht.

00:24:02: Kurz darauf reißt er in der Zelle die Klobrille ab und prügelt auf ihn ein.

00:24:08: Den Rest seiner Haftzeit wird Pleil in einer Einzelzelle untergebracht, das hält ihm aber nicht davon ab den Flurfung mitzubekommen.

00:24:18: Als einen Mitgefangener damit angibt eine Frau getötet zu haben wird Pleils Sauer!

00:24:24: Er weiß nämlich ganz genau dass dieser nicht der Täter sein kann denn das war er selbst.

00:24:30: Dass sich jemand anderes mit seinen Taten schmückt, das kann er nicht aufsicht sitzen lassen.

00:24:36: Im Juni-Muntenhundertundvierzig, etwa ein Jahr nach seiner Inhaftierung brüstet sich Pleil damit dass er mehr Menschen als nur den Kaufmann umgebracht habe.

00:24:46: Die Wärter ignorieren seine Erzählungen.

00:24:50: Keiner glaubt dem Mann der plötzlich weitere Morde gesteht offenbar nur um sein Geltungstrang zu befriedigen.

00:24:57: Doch Pleil gibt nicht auf.

00:25:00: Er fertigt eine genaue Skizze an, die seine Taten beweisen soll.

00:25:04: Diese Skizce wird dafür sorgen dass sein Fall neu aufgerollt werden muss und ihm die Werter nun doch aufmerksam zuhören.

00:25:13: Im Nebel

00:25:14: flüstert

00:25:16: kalter

00:25:17: Wind Die Tannen

00:25:20: sind wie

00:25:21: stumme Wachen Der Boden schwarz.

00:25:26: der Weg verrinnt Dort wo wir uns beinem.

00:25:34: Durch den Wald, durch den Wald kein Laut.

00:26:07: Ein Schritt wie

00:26:09: nass.

00:26:10: der Leise bricht ein Knall.

00:26:13: halt fern

00:26:15: im alten Tale.

00:26:18: Wir halten

00:26:19: still doch wagens

00:26:22: nicht zu träumen

00:26:24: von dem nächsten Male.

00:26:29: Das Herz schläft Verlohre Seelen.

00:27:23: Mord vor Ort ist eine private Produktion von Kerstin Hess und Tobias Bindhammer.

00:27:28: Moderation, Recherche & Content, Kerstine Hess und Tobias Binthammer Musik, Pixar Bay und erstellt mit Suno.

00:27:37: Vielen Dank an das Ingenieurbüro Hess und an alle Unterstützerinnen und Unterstützer!

00:27:53: Für mehr Einblicke folgt uns bei TikTok oder Instagram unter Mord vor Ort und der Strich Podcast.

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